06.09.2017 15:35

"Fairer Handel statt Freihandel"

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverband äussert sich in einem Standpunkt über den Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit, über welchen die Stimmberechtigten am 24. September 2018 befinden werden. Er erklärt, warum die Bauern JA stimmen sollten.

Im Vorfeld der Abstimmung über die Ernährungssicherheit findet eine Kontroverse darüber statt, ob der Absatz betreffend grenzüberschreitende Handelsbeziehungen zu mehr Freihandel oder zu zusätzlichen Anforderungen an Importe führt. Der im gleichen Absatz enthaltene Zusatz, wonach importierte Lebensmittel Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllen müssen, gibt die Antwort. Obwohl der Fall klar ist, gibt es dennoch einige Worte zur Globalisierung und dem freien Handel.

Beide galten lange Zeit als Wohlstandbringer schlechthin. In den Schwellenländern dürfen sich die Menschen in der Tat über eine bessere, wirtschaftliche Situation freuen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass kleine Bevölkerungsteile deutlich mehr profitierten und sehr viel reicher wurden, als der grosse Rest. Es ist zudem ein Fakt, dass der globale Wettbewerb um die günstigen Produktionsfaktoren, vor allem die natürlichen Ressourcen wie Boden, Luft oder Wasser zum Teil irreparabel geschädigt und den Klimawandel beschleunigt hat. Ebenso sind die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten oft miserabel.

Mit dem Abschöpfen der Schweizer Kaufkraft hohe Gewinne einfahren
Die in der Schweiz ansässigen, weltweit tätigen Konzerne und die Verarbeitungsindustrie gehören zu den Profiteuren. Sie kommen ohne störende Handelseinschränkungen günstig zu ihren Rohstoffen und können mit dem Abschöpfen der Schweizer Kaufkraft hohe Gewinne einfahren. Wenn Lebensmittelverarbeiter hingegen in erster Linie auf Schweizer Rohstoffe setzen, dann kostet der Einkauf mehr und die Vermarktung ist infolge der höheren Verkaufspreise anspruchsvoller. Besonders anspruchsvoll wird es für die Firmen dann, wenn sie auch im Export erfolgreich sein wollen.

Denn dort sind die hochwertigen Schweizer Produkte im Verhältnis zur Kaufkraft der Konsumenten noch viel teurer. Der Erfolg im Export ist entsprechend gesamthaft und realistisch betrachtet bescheiden. Sogar beim Käse, wo wir seit mehreren Jahren absoluten Freihandel haben, droht die Handelsbilanz nächstens zu kippen. Sprich, der Wert der importierten ausländischen Käsemenge übersteigt den Wert des exportierten Schweizer Käses. Zu beachten ist hier weiter, dass der Käseexport von der sogenannten Verkäsungszulage profitiert, die den Rohstoffeinkauf verbilligt. Es braucht wenig Fantasie um sich vorzustellen, wie die Bilanz ohne diese zusätzlichen 15 Rappen pro Liter verkäste Milch aussehen würde. 

Ansonsten exportiert die Schweizer Lebensmittelindustrie vor allem Kaffeekapseln und Energydrinks, also keinerlei Produkte - mit Ausnahme von ein bisschen Zucker - die aus der einheimischen Landwirtschaft stammen. Ein weiteres Exportprodukt sind Abfälle der Fleischindustrie wie Schweinsfüsse oder -ohren. Es ist also weit an der Realität vorbei geredet, wenn der Bundesrat der Schweizer Landwirtschaft Exportchancen durch mehr Freihandel verspricht.

Mit Blick auf die immer noch stark wachsende Menschheit, den begrenzten fruchtbaren Boden, die zunehmend knappen Wasserressourcen und die mit dem Klimawandel zunehmenden Produktionsunsicherheiten, sollte sich die Schweiz an neue Überlegungen gewöhnen.

Wie können wir die Ernährung der Bevölkerung sichern?
Wie können wir einen Beitrag leisten, damit die importierten Lebensmittel die natürlichen Ressourcen ihrer Herkunftsländer nicht zerstören, die Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und die Arbeitskräfte ausgebeutet werden? Wie können wir sicherstellen, dass wir auch in Zeiten von Verknappung - und diese werden aufgrund der erwähnten weltweiten Entwicklungen zunehmen - die Ernährung der Bevölkerung sichern können? Welche Landwirtschaft wollen wir in der Schweiz erhalten und wie gehen wir dafür vor, so dass sich den jungen Berufsleuten auch längerfristige Perspektiven eröffnen? Die Schweiz soll Pionierin in Sachen nachhaltige und multifunktionale Landwirtschaft bleiben. 

Aber gleichzeitig mit dem Abbau des Grenzschutzes die Produzentenpreise unter massivsten Druck zu setzen, widerspricht diesem Ziel. Fünfer und Weggli gibt es nun mal nicht zusammen. Ein JA des Stimmvolks am 24. September 2017 zur Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer dies erkannt haben. Für den Bundesrat gilt damit der klare Auftrag auf fairen Handel, statt freien Handel zu setzen!

News

07.06.2018 19:31

SR gegen Milchmengensteuerung

Vor fast zehn Jahren ist die Milchkontingentierung abgeschafft worden. Nach einstimmiger Auffassung des Ständerates sollen trotz Überproduktion und starkem Preisdruck keine neuen Regulierungen von Mengen und Preisen eingeführt werden.

Die kleine Kammer befasste sich am Mittwoch mit drei Vorstössen zum Milchmarkt. Es waren Standesinitiativen der Kantone Genf und Freiburg sowie eine Motion des Waadtländer Nationalrats Jacques Nicolet (SVP). Auf Empfehlung seiner Wirtschaftskommission (WAK) lehnte der Rat alle stillschweigend und oppositionslos ab.

 

» Weiterlesen

14.05.2018 17:34

Mehr Preistransparenz ist nötig

Vom Konsumentenfranken gelangt immer weniger zu den Bauernfamilien. Das hat auch mit der mangelnden Transparenz zu tun. Alt Nationalrat Josef Kunz fordert nun, dass der Produzentenpreis auf die Etikette kommt.

Verarbeiter und Händler schöpfen immer mehr vom Konsumentenfranken ab. Bei verarbeiteten Produkten kann es sein, dass gar nur wenige Prozente des Endverkaufspreises zum Bauern gelangen. So kosten 1,5 Liter Apfelschorle von Ramseier im Coop Fr. 2.60. Davon gehen lediglich 33,4 Rappen zum Obstproduzenten.

Beim 230-Milliliter-Becher vom Emmi-Milchmischgetränk Caffè Latte zum Verkaufspreis von Fr. 1.95 sind es nur 4,2 Rappen, die zum Milchproduzenten gelangen. Diese Zahlen errechnete und publizierte diese Zeitung bereits im Juli 2016.  

» Weiterlesen

20.10.2017 14:10

Bauern müssen mehr verdienen

Eine Arbeitsgruppe des Schweizer Bauernverbandes (SBV) hat sich mit der Agrarpolitik nach 2022 auseinandergesetzt. Zentrales Anliegen ist ein höheres Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern.

» Weiterlesen



Kontakt

Bauernverband Appenzell

Sepp Koch
Rüeggerstrasse 5
CH- 9108 Gonten

Tel. +41 (0)71 794 15 08

info@bauernverband-appenzell.ch
www.bauernverband-appenzell.ch