26.08.2017 17:35

Richtpreis-Entscheid: Reaktionen

Am Mittwoch hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) entschieden, den Richtpreis für Molkereimilch im A-Segment auf den 1. Oktober um 3 Rappen auf 68 Rp./kg zu erhöhen.

Der Richtpreis für industriell verarbeitete Molkereimilch im A-Segment wird auf den 1. Oktober um 3 Rappen auf 68 Rappen pro Kilo Milch franko Rampe erhöht. Die BOM hat einem Antrag der Produzenten zugestimmt.  «Man hat sich auf 3 Rappen geeinigt», heisst in der Mitteilung der BOM. Somit dürften die Produzenten einen höheren Preisanstieg gefordert haben.
Der Entscheid wird von der BOM mit der stabilen Marktsituation in der EU begründet. Die rekordhohen Butterpreise, die rückläufige EU-Milchproduktion und das Erstarken des Euros haben die Preisdifferenz zwischen dem Schweizer und dem europäischen Milchpreis verkleinert. Die Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt solle ein positives Zeichen setzen, so die BOM. Die Schweiz verfüge über «hervorragende» Bedingungen, um Milch zu produzieren.

SMP: Viele Abzüge sind Geschichte
Zufrieden mit dem Preisanstieg gibt man sich bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP). «Wir haben lange gekämpft», sagt Direktor Stefan Hagenbucht auf Anfrage von schweizerbauer.ch. «Kreative» Abzüge einiger Milcheinkäufer seien nun zu einem guten Teil Geschichte, fährt der BOM-Produzentenvertreter fort. Fett- und Währungsabzüge seien derzeit kein Thema. «Wir gehen nicht davon aus, dass mit der jetzigen Marktlage die Abzüge wieder abnehmen», so Hagenbuch.
Einzig für Importabwehr könnte es Abzüge geben. Und zwar dann, wenn das die Verhandlungsgruppen mit ihren Abnehmern in einem Paket so aushandeln würden, erklärt Hagenbuch. Als weiteren Schritt müssen gemäss SMP sind die Rahm- und Butterpreise in der Industrie und im Detailhandel anzuheben. Ob die Forderung der SMP höher als die nun 3 beschlossenen Rappen war, beantwortet Hagenbuch indes nicht.

SBV: Entscheid in die richtige Richtung
Der Schweizer Bauernverband (SBV) hatte im Vorfeld der BOM-Sitzung eine Erhöhung um 5 Rappen ins Spiel gebracht. Den Entscheid nimmt der Verband erfreut zur Kenntnis. «Es ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung», schreibt der SBV in einer Mitteilung. Die Stossrichtung ist mit diesem Statement eindeutig: Der Bauernverband will weitere Erhöhungen.
Der Bauernverband erwartet, dass der neue Richtpreis flächendeckend eingehalten wird. «Die Preiserhöhung darf nicht über Abzüge oder Ausweichen auf B-Milch ausgehebelt werden. Zudem ist eine Preisanpassung bei Butter nötig», macht der SBV deutlich. Die effektiv bezahlten Produzentenpreise müssten nun um mindestens 3 Rappen erhöht werden. Dazu müssten die Detailhändler die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen, vor allem durch eine Anpassung der Butterpreise.

Coop: Erhöhung gerechtfertigt
Die Detailhändler wollen die Preiserhöhung umsetzen. Dies geht jedenfalls aus den Antworten hervor, die sie schweizerbauer.ch übermittelt haben. «Coop bekennt sich zu einem fairen Milchpreis. In der aktuellen Marktsituation ist eine Milchpreiserhöhung gerechtfertigt», sagt Coop Sprecher Ramon Gander. Der höhere Preis werde sich im gleichen Rahmen auf die Verkaufspreise auswirken.
Die Basler Detailhändlerin preschte bereits im Februar 2017, als sie sagte, sie trage höhere Richtpreise mit. Der Preis blieb damals unverändert, auch weil Coop nicht für eine Erhöhung stimmte. An der Sitzung im Mai fehlte der Coop-Vertreter ferienhalber. Doch das Unternehmen reagierte anschliessend.
Für die Monate Juli bis September zahlt Coop für die konventionellen Eigenmarken 3 Rappen mehr pro Kilo. «Das ist ein klares Zeichen unserer Verbundenheit mit den Schweizer Bauern. Somit ist ab Oktober der neue Richtpreis mit unserem Niveau identisch», fährt Gander fort. Das BOM-Mitglied prüft «stichprobenweise», ob die höheren Preise von den Verarbeitern an die Bauern weitgegeben werden.

Migros und Aldi stehen hinter der Erhöhung
Die Migros wird Ende Jahr wegen Differenzen mit anderen Mitgliedern die Branchenorganisation Milch verlassen. Einzelne Akteure hätten die Diskussion um den Milchpreis für ihre Partikularinteressen genutzt und sich nicht an Abmachungen gehalten, begründete die Migros ihren Austritt. Sie nahm an der Sitzung von Mittwoch nicht mehr teil. Die Erhöhung des Richtpreises um 3 Rappen will die Migros aber eins zu eins umsetzen, sagt Sprecher Luzi Weber gegenüber schweizerbauer.ch.
Auch Aldi steht hinter dem Entscheid der BO Milch. «Aldi Suisse begrüsst die Verhandlungslösung sehr» sagt Sprecher Philippe Vetterli auf Anfrage. Als Mitglied der Branchenorganisation Milch (BOM) stehe man «grundsätzlich» hinter den Entscheidungen der BOM und setze diese konsequent um. Im August lancierte der Schweizer Ableger des deutschen Discounters eine Fair Milk. Bei diesem Nischenprodukt garantiert Aldi den Produzenten einen Milchpreis von 70 Rappen je Kilo ohne Abzüge.

Emmi: Höhere Preise haben Mengeneffekt
Die Verarbeiter stehen ebenfalls hinter der Erhöhung. Emmi zeigte sich im Vorfeld der BOM-Sitzung aber skeptisch. Zwar sei die Milchmenge immer noch rückläufig. «Dem stehen aber leider auch ein rückläufiger Milchkonsum in der Schweiz und vor allem steigende Käseimporte gegenüber. Das bedeutet, dass weiterhin mehr Milch angeboten wird, als mit einer guten Wertschöpfung abgesetzt werden kann», mahnte Emmi-Sprecherin Sybille Umiker gegenüber schweizerbauer.ch Und:  «An der Ausgangslage hat sich seit der letzten BOM-Sitzung wenig verändert. Der Richtpreis für A-Milch liegt dort, wo er gemäss Index liegen sollte».
Nach dem Entscheid der BOM gibt sich Emmi-Chef Urs Riedener versöhnlicher. «Diese Richtpreiserhöhung ist in unserem Sinne. Man darf jedoch nicht ausblenden, dass höhere Preise immer auch einen Mengeneffekt haben. Bei austauschbaren Produkten ist der Preisabstand zu europäischen Konkurrenzprodukten halt einfach relevant», so der Emmi-Chef gegenüber schweizerbauer.ch.

Hochdorf: Im Inland einfacher
Der Milchverarbeiter Hochdorf steht ebenfalls hinter der Erhöhung. «Aufgrund der aktuellen Lage am internationalen Milchmarkt ist die Erhöhung gerechtfertigt», sagt Kommunikationschef Christoph Hug gegenüber schweizerbauer.ch. Die Erhöhung von rund 4.5 Prozent müsse verhandelt werden.
Im Inland sei eine Anpassung einfacher, da die Branche über den Entscheid informiert sei. Die Durchsetzung höherer Preise für Exportprodukte sei hingegen anspruchsvoller, so Hug. 

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